Unseren Augen ist nicht immer zu trauen. Vielleicht kennt ihr das, dass ihr in bestimmten Dingen Gesichter erkennt, bei Autos selbstverständlich, aber auch bei in der Natur vorkommenden Dingen, wie z.B. dem „Marsgesicht“ Cydonia Mensae.

Nun gibt es aber auch weniger harmlosere Tricks unserer Augen. Wer sich intensiver mit Drogen (insbesondere Methamphetamin) befasst ist im Englischsprachigen Raum vielleicht schon mal (auch scherzhaft) über den Begriff „Shadow People“, auf Deutsch Schattenmenschen, gestolpert.

Wer oder was sind diese Schattenmenschen?

Hier kommt ein weiterer Trick unseres Auges: Es ist abends. Ihr schaut Fernseher. Die Lichter sind aus. Es ist dunkel im Zimmer. Nur der Fernseher flackert auf. Ihr schaut konzentriert Fernsehen. Doch auf einmal sehr ihr aus eurem Augenwinkel eine Bewegung. Es sah aus wie ein Mensch. Erschreckt schaut ihr in die Richtung. Euer Puls rast und ihr rechnet mit dem schlimmsten. Ein Einbrecher?

Ihr macht das Licht an. Doch niemand ist da. Was ihr vermutlich gesehen habt, lässt sich, mehr oder weniger unwissenschaftlich, kategorieren als ein sogenannter Schattenmensch.

Doch zuerst einmal: Wieso überhaupt „Schattenmensch“? Wenn ihr Nachts aufs Klo geht oder ein dunkles Zimmer betritt und eure Augen sich noch nicht an die Dunkelheit gewöhnt haben oder auch einfach wenn ihr wie oben im Dunkeln Netflix schaut kann es sein, dass ihr eine Jacke oder einen Vorhang am Fenster für einen Mann haltet. Dieses Phänomen speziell Menschen oder menschenähnliche Wesen in diesen dunklen, schattenhaften Dingen zu sehen ist bekannt unter dem Namen „Shadow People“.

Und im Gegensatz zu den Shadow People sind diese Halluzinationen echt. Und extrem gruselig und beängstigend.

Im Text oben beschrieb ich, dass die Schattenmenschen im Zusammenhang stehen mit dem Konsum von Methampetamin (auch wenn sie bei anderen Drogen auch vorkommen können, allen voran Amphetamin, Kokain, MDMA oder Delirantien (Halluzinogenen) wie DPH, Datura (Stechäpfel) und Benzydamin). Grund ist, dass diese Konsumgruppe womöglich über einen längeren Zeitraum wach ist, was das Risiko, Schattenmenschen zu sehen enorm erhöht.

Man sieht keine Schattenhunde oder Schattenvögel oder Schattenautos. Man sieht Schattenmenschen. Sie stehen in Türen, gehen hinter dir her, kommen auf dem Bürgersteig auf dich zu.

www.phoenixnewtimes.com/news/methology-part-i-6422539

Und doch berichten Menschen auf der ganzen Welt und allen Bevölkerungsschichten und allen Zeiten von diesen Schattenmenschen. Auch ganz ohne Meth-Konsum.

Warum?

Schattenmenschen gab es schon immer

Die Geschichte der Schattenmenschen reicht bis in die 600er Jahre n. Chr. zurück. Gruselige Geschichten über Schattenmenschen kommen aus allen Teilen der Welt und ähneln sich auf unheimliche Weise. Der Koran erwähnt pechschwarze intelligente Wesen, die aus Feuer geschaffen wurden und „nicht rein geistiger oder physischer Natur“ waren.

Die alten Ägypter glaubten auch an die Schattenmenschen und hatten sogar einen eigenen Namen für sie: „Khailbut“. Die Römer glaubten sie kommen aus der Unterwelt. Die Griechen dachten die Schattenmenschen seien ihre eigenen Schatten, die sie Zeus als Geschenk überließen. All diese Kulturen hatten jedoch einen gemeinsamen Glauben: Diese Schattenmenschen waren sowohl Teil der realen als auch der metaphysischen Welt.

Vor allem im alten Ägypten gingen Schattenmenschen oft hin und führten in der Geisterwelt die Gebete für Menschen aus, die sie nicht erreichen konnten – manchmal für das Gute und manchmal für das Böse.

Davon kann man halten, was man will. Doch schauen wir uns mal ihren Einfluss in der Moderne an.

Schattenmenschen in der Popkultur

Schattenmenschen wurden in der gesamten Popkultur als ‚Dämonen‘ oder ‚Omen‘, ‚Geister‘, oder sogar als ‚interdimensionale Zeitreisende‘ bezeichnet. Diese weite Verbreitung von Schattenmenschen, kombiniert mit ihrer Darstellung in der allgemeinen Kultur und in Horrorfilmen, könnte zur Verbreitung dieser Halluzinationen beitragen. Aus dem allgemeinen Internet-Konsens über Schattenmenschen geht hervor, dass sie häufiger als Geister oder echte interdimensionale Wesen interpretiert werden als einfache Halluzinationen.

Der Schattenmensch als Bild wurde in der Show „The Twilight Zone“ aus dem 80er Jahren Remake der 50ern Serie in der passend betitelten Episode „The Shadow Man“ porträtiert, in der ein Schattenmensch unter dem Bett der Hauptfiguren lebt. Diese Episode wurde landesweit ausgestrahlt und ist nach wie vor verfügbar, wodurch die Menschen den Schattenmenschen durch Erfahrungen aus zweiter Hand und im Hollywood-Stil hergestellte Bilder weiter ausgesetzt wurden.

Je mehr ein Bild in einer Kultur verbreitet wird, desto wahrscheinlicher ist es, dass eine Person dieses Bild in einem Zustand wie Schlafentzug, Delirium und Stimulanzien-Psychose manifestiert. Die Angst, die von der Gesellschaft eingeflößt wird, und die negative Konnotation, die von der Mainstream-Kultur dargestellt wird, können die Angst und das Gefühl des nahenden Unheils beeinflussen, von denen Menschen beim Anblick dieser autonomen Gebilde gewöhnlich berichten. Dies wurde im Zusammenhang mit dem häufigen Auftreten von Schattenmenschen bei Schlafentzugerfahrungen untersucht.

Aufgrund des kulturellen Einflusses und der Wahrnehmung, dass Schattenmenschen in Wirklichkeit „Geister“ sein können, könnten Menschen, die diese externe Halluzination erleben, sie eher den paranormalen oder anderen irrationalen Ursachen zuschreiben, als zu akzeptieren, dass es sich um einen natürlichen Effekt abnormaler Hirnchemiestufen handelt, die von einer Vielzahl von psychischen Zuständen herrühren können. Die Entstigmatisierung der Erfahrung des Schattenmenschen und die rationale Diskussion über ihren wahren Ursprung kann vielen Betroffenen Erleichterung von dem damit verbundenen Stigma der Paranoia und Geisteskrankheit verschaffen.

Wie sehen Schattenmenschen aus?

Schattenmenschen erscheinen gewöhnlich, aber nicht immer, zunächst als flüchtige Bilder in der peripheren Sicht (klickt hier um etwas über euer Sehen zu lernen, unter anderem auch, was das peripheres Sehen ist) einer Person. Bei höheren Intensitätsstufen können Schattenmenschen jedoch anfangen, in der Vollsicht in einer Weise zu erscheinen, die es erlaubt, sie direkt anzuschauen. Bei fortgeschrittenen Geisteszuständen ist es sogar möglich, von der Schattenperson weg- und zurückzublicken, ohne dass sich die Präsenz oder das Erscheinungsbild der Halluzination ändert.

Die Körper dieser Schattenmenschen werden gewöhnlich so wahrgenommen, dass sie aus einer Art Schwärze bestehen, die einen Sinn für Tiefe mit wenigen Gesichts- oder Körperzügen hat. Die Schwärze ihrer Körper erscheint oft fast undurchsichtig, als würde man in ein „schwarzes Loch“ in humanoider Form blicken. Sie können auch in Form von Tieren, gleichförmigen Klecksen, körperlosen Körperteilen oder einer Unzahl anderer unbeschreiblicher Formen auftreten. Manchmal scheinen sie Gesichter, (rote) Augen oder Münder zu haben und sind in der Lage, sich zu bewegen oder ihre Form zu verändern. Die gezeigte Bewegung kann eine normale menschliche Bewegung sein, oder sie kann schneller, langsamer oder abgehackter sein als der Gang eines normalen Menschen. Es ist auch möglich, dass mehrere Schattenmenschen gleichzeitig das Gesichtsfeld eines Menschen besetzen und dabei unabhängig voneinander handeln und sogar miteinander interagieren.

So sehen (mehere) Schattenmenschen meistens aus. Bildquelle.

Es ist erwähnenswert, dass der Stil und das allgemeine Verhalten einer Schattenperson oft weitgehend vom emotionalen Zustand der Person abhängt, die sie erlebt. Zum Beispiel wird eine Person, die emotional stabil und im Allgemeinen glücklich ist, in der Regel eher dazu neigen, neutrale, interessante oder freundliche Schattenmenschen zu erleben. Im Gegensatz dazu wird jedoch eine Person, die emotional instabil und allgemein unglücklich ist, in der Regel eher dazu neigen, unheimliche und Angst einflößende Schattenmenschen zu erleben.

Schattenmenschen werden oft von anderen gleichzeitigen Auswirkungen wie Delirium, Paranoia, Angst und dem Gefühl von bevorstehendem Unheil begleitet. Sie werden am häufigsten unter dem Einfluss hoher Dosierungen von Delirantien wie DPH, Datura und Benzydamin ausgelöst. Sie können aber auch unter dem Einfluss einer stimulierenden Psychose, von Schlafentzug und während einer Schlaflähmung auftreten.

Schattenmenschen und Schlafparalyse

Hattet ihr schon mal eine Schalfparalyse? Ich hoffe nicht, ist sie doch ein sehr gruseliges und potenziell traumatisches Erlebnis.

Als ich früher öfter versucht habe Luzid zu träumen, hatte ich Angst in so eine Schlafparalyse zu verfallen, habe ich doch verschiedene skurrile Techniken ausprobiert, um in einen Klartraum zu verfallen. Zum Beispiel mich mitten in der Nacht zu wecken, kurz auf die Toilette zu gehen und direkt wieder einzuschlafen und versuchen dabei in meinen letzten Traum zurückzukehren oder bis zur letzten Sekunde mir bewusst zu sein, dass ich gleich träumen werde.

Ich glaube, ich muss kurz etwas ausholen, weil viele hier raus sind. Falls ihr Klarträume nicht kennt, so lohnt es sich meiner Meinung nach sehr, dieses Thema mal zu googlen. Ich finde sogar jeder Mensch sollte wissen, was Klarträume sind, da sie eine enorme Macht haben. Das Grundprinzip ist einfach: Ihr träumt, aber es ist euch bewusst, dass ihr träumt. Mit diesem Wissen ist es dann möglich den Traum zu steuern und zu lenken. Ihr bewegt euch also im Traum als würdet ihr euch in Echt bewegen. Nur liegt ihr in Wahrheit im Bett und schläft!

Was das nun bringt und was ihr damit macht ist euch überlassen. Im Grunde ist nur euer Gehirn und Kreativität die Grenze zum Möglichen. Egal, ob ihr Superman-Like durch die Welt oder euere Stadt fliegt oder euch Skills beibringt, die sich sogar auf das echte Leben übertragen (Gitarre lernen oder Altgriechisch im Traum lernen? Alles machbar). Viele tun auch lieber mit dem Lieblingspromi oder der Freundin ihrer Träume schlafen, aber das ist dann euch überlassen. 😉

Okay, das war ein kleiner Exkurs in die Welt des Klarträumens.

Was ist jetzt eigentlich diese Schlafparalyse?

Schlafparalyse, auch Schlaflähmung genannt, ist das Phänomen mitten im Schlaf aufzuwachen. So weit nichts ungewöhnliches. Doch beim versuch euch auf eine andere Seite zu legen oder kurz aufs Klo zu gehen, gehorchen eure Arme und Beine nicht. Nichts passiert. Ihr seid wie gefesselt im Bett. Alles was ihr machen könnt sind eure Augen zu öffnen oder zu schließen. Ihr seht lediglich die dunkle Zimmerdecke und die Tür in den Flur. Ihr werdet leicht nervös und versucht die Augen zu schließen um weiterzuschlafen. Doch als ihr ein Geräusch hört öffnet ihr eure Augen erneut. Im Türrahmen steht eine dunkle Schattenhafte Person und schaut euch direkt an. Die Umrisse sind nicht leicht zu erkennen, doch ist es klar ein Mensch. Direkt als ihr Schreien wolltet, kommt diese Person auf euch zu und euer Schrei verstummt vor Schreck.

Tut mir leid, das ist vielleicht etwas überspitzt und überdreht dargestellt, aber ihr versteht, was ich sagen möchte, oder? Ich hoffe ihr habt jetzt wegen mir keine Angst heute Abend Schlafen zu gehen. Schaut euch auf keinen Fall die Google-Bilder zu „Schlafparalyse“ an, ich hab euch gewarnt! 😉

Ein Schattenmensch mal in einer anderen Variante: Die sexbessesene Succubus. Bildquelle.

Doch dabei kommt die Schlafparalyse öfter vor, als man denkt: 8% der Bevölkerung sollen sie schon mindestens einmal erlebt haben, unter Studenten sogar 30%, was am erhöhten Stress und wenig Schlaf liegt – Dinge die eine Schlafparalyse begünstigten.

Welche Drogen und Medikamente können Schattenmenschen auslösen?

Da wären unter anderem:

Erfahrungsberichte mit Schattenmenschen

Deutsch:

Englisch:

Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann?

Kennt ihr noch das Spiel „Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann“ aus der Grundschule? Sehr wahrscheinlich habt ihr es damals auch gespielt.

Vielmehr im Kopf geblieben ist mir aber tatsächlich die Kinderschreckfigur des „Schwarzen Mannes“. Der genaue Ursprung bleibt ungeklärt, doch da damit neben einem Mann mit schwarzer Kleidung und geschwärtzem Gesicht (Schornsteinfeger) oder einem dunkelhäutigen Mann auch eine dunkle, schattenhaftige Gestalt gemeint ist (laut Wikipedia), lässt mich das doch aufhorchen und auf eine Verbindung mit Schattenmenschen schließen.

Unter dem Wikipedia-Eintrag zu dem Spiel, steht übrigens, dass der Begriff womöglich auf den „Schwarzen Tod“ (also eine der veherrendsten Pandemien aller Zeiten, die Pest) zurückzuführen ist, was auch das Spielprinzip erklären würde: Jeder, der von der Pest befallen ist, ist Träger des „Schwarzen Todes“ und gehört zum Herr des „Schwarzen Mannes“, der die Seuche ausbreitet.

The more you know.


Kleine Teile oder Ausschnitte dieses Artikels sind direkte Übersetzungen aus dem PsychonautsWiki.

Ich berufe mich dabei auf die Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International (CC BY-SA 4.0 des Wikis, weshalb dieser Artikel auch darunter fällt.

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