Dieser Artikel ist Teil meiner „Mythen und Legenden rund um… LSD„-Reihe. Hier geht es zu Teil 1 und zu Teil 2.

Kennt ihr noch die Kaugummis bei denen Tattoos dabei waren? Von Hitlscher waren die und ich weiß nicht, ob es die heute immer noch gibt. Was ich aber weiß, dass sie damals nicht nur extrem lecker waren, sondern es auch Spaß gemacht hat, sich die verschiedenen Motive auf den ganzen Körper zu tätowieren.

Stellt euch nun aber vor auf diesen Motiven wäre LSD getröpfelt und das ganze wird an Kinder an Grundschulen und auf Spielplätzen verteilt. Lustige Motive sollen die Klebebilder haben. Acid-typisch viel mit Disney. Perfekt für Kinder eigentlich.

Der Sinn dahinter? Gibt es wohl keinen. Genau so wenig, wie diese Geschichte wahr ist. Und doch wurde sie mehrfach seit den 70ern in den USA und später auch in Europa und bei uns verbreitet. Erst mit dem Aufkommen des Internets und den leicht zu findenden Informationen zu LSD und den Klebebildern hörten die Trolls auf.

Wenn es denn auch lustige Spaße waren. Nicht auszuschließen ist natürlich, dass das ganze von „besorgten“ Eltern oder gewissen politischen Organisationen bewusst in Umlauf gebracht wurde, um nicht letztendlich LSD weiter zu diskreditieren.

Und tatäschlich scheint dieser Mythos irgendwann ein Selbstläufer gewesen zu sein, so haben Wikipedia zufolge tatsächlich Eltern eigene Flugblätter über dieses „Problem“ verbreitet, selbst Jahre später. Natürlich lies es nicht lange auf sich warten, bis sich Leute den Spaß erlaubten und Falschmeldungen und Flubglätter bewusst an Direktoren schickten, die diese wiederumnatürlich weiterleiteten. Tagelanges Chaos und Polizeuntersuchungen inklusive. Und wieder sehr viele besorgte Eltern, die vermutlich zahlreiches Halbwissen weiterverbreiten und für weitere Panik sorgten. Ein Teufelskreis.

Gewarnt wurde über Flublätter

Hier der volle Text eines der damaligen Flublätter aus den 80ern, gefunden auf Sagen.at:

WARNUNG
DROGENGEFAHR FÜR KINDER!!!

Diese Warnung wurde von der Waadtländer Polizei, Abt. Drogenfahndung, an jeden Haushalt der welschen (französischen) Schweiz verteilt. Die New Yorker Polizei warnt vor einer neuen Drogenform, welche jetzt Kindern offeriert wird. Diese Artikel befinden sich in der Schweiz bereits im Umlauf.

Eine Art „Tätowierung“, genannt BLUE STAR, wird jetzt in ganz Amerika angeboten. Es handelt sich um ein kleins weisses Papier mit blauen Sternchen. Jeder Stern ist mit dem RAUSCHGIFT LSD getränkt und kann durch den Mund absorbiert werden. Das LSD geht aber auch direkt durch die Haut, indem man das Papier in der Hand hält.

Es gibt auch Klebebilder in bunten Farben, die wie Briefmarken aussehen. Diese Bilder sind oft mit „Superman“, Schmetterlingen, Disney-Figuren und vielen anderen bedruckt. Diese Marken sind in Alufolie verpackt und befinden sich in Karton-Schächtelchen. All diese Artikel dienen nur dazu, Kinder drogenabhängig zu machen. Solche Kleber, Marken, Bildchen und Tätowierungen werden nun von Jugendlichen und größeren Kindern an kleine Kinder verschenkt. Erwachsene Drogenhändler geben diese „Geschenke“ gratis an Kinder ab, um neue „Kunden“ heranzuziehen. Im Umlauf befinden sich noch weitere Artikel mit dem gleichen Zweck. Eine Marke mit dem Namen „ROTE PYRAMIDE“, winzige bunte Körner zum Schlecken, eine Marke namens „WINDOW PANE“ mit gezeichnetem Gitter. Dieses Gitter kann ausgeschnitten und mit dem Mund absorbiert werden; das LSD zieht aber bereits beim In-der-Hand-Halten in die Haut ein. Alle diese Marken und Körner sind mit Drogen vollgesogen.

Bitte informieren Sie Ihre Kinder über diese neue Drogengefahr!
Wenn Sie oder Ihre Kinder einem solchen Artikel begegnen, so berühren Sie Ihn nicht; sondern benachrichtigen Sie die Polizei.

Diese Droge wirkt sehr rasch und enthält manchmal Strychnin. Die Vergiftungssymptome sind: Halluzinazionen, Erbrechen, schwankende Körpertemperatur und Kopfschmerzen. Beim Auftreten der Symptome im Zusammenhang mit den beschriebenen Artikeln bringen Sie das Kind sofort ins Spital und rufen unverzüglich die Polizei.
Soweit diese Bericht.

Dr. Rudolf K.
Prakt. Arzt
Pernerstorferplatz 8
3100 St. Pölten

Titelseite Oberösterreichisch Nachrichten vom 25.11.1989:
Horror-Flugblätter ängstigen Eltern LSD-Pickerl für Schulkinder.

Quelle: Kopie eines weitergreichten Flugblatts; verschiedene mündliche Erzählungen.

„Die Droge könne auch nicht durch Berührung in die Blutbahn gebracht werden“

Gefunden habe ich ebenso einen Zeitungsartikel aus dem Jahre 1996, den ich hier ebenso in seiner Volle abdrucken möchte:

„TEMPELHOF Das Tempelhofer Gesundheitsamt ist dem Inhalt anonymer Flugblätter auf den Grund gegangen, die Schüler vor unfreiwilligem Drogenkonsum warnen. Ergebnis: Die Behauptungen sind aus der Luft gegriffen.“Hier wird nur Panik verbreitet„, sagt Hartmut Schoch von der Tempelhofer Plan- und Leitstelle Gesundheit. Die Gesundheitsexperten haben gemeinsam mit dem Drogenbeauftragten des Senats den Wahrheitsgehalt eines anonymen Flugblatts untersucht, das Anfang Dezember an einer Mariendorfer Grundschule aufgetaucht war und dort für Unruhe sorgte. Darin wird vor dem Drogenkonsum durch Abziehbilder, sogenannte „Blaue Sterne“, gewarnt. Dabei soll es sich um kleine, weiße Papierchen handeln, die Figuren wie Superman oder Walt-Disney-Motive zeigen. Außerdem sollen sie mit kleinen Sternen bedruckt sein, die LSD enthalten, das bei Berührung über die Haut in die Blutbahn gelangt. Als Informationsquelle werden zwei Mitarbeiter der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) genannt. „Diese Behauptungen sind falsch“, so Schoch.Alle Untersuchungen hätten ergeben, daß Klebebilder nicht als Trägermaterial für LSD geeignet seien. Die Droge könne auch nicht durch Berührung in die Blutbahn gebracht werden. Außerdem seien „die genannten DAK-Mitarbeiter dort schlicht und ergreifend nicht bekannt“, versicherte Schoch. Gleichartige Flugblätter würden „in regelmäßigen Abständen“, zuletzt 1994, an Tempelhofer Schulen verbreitet. Die Verfasser hätten damals – als auch die Polizei eingeschaltet wurde – wie heute nicht ermittelt werden können. +++“

Quelle ist ein archivierter Artikel aus der Berliner-Zeitung.

Wisst ihr, ich bin froh, dass sie schreiben, dass LSD nicht über die Haut aufgetragen werden kann. Was damals schon bekannt, muss heutzutage immer wieder korrigiert werden, da es zu viele Leute gibt, die denken, dass LSD über die Haut wirkt.

Wer mehr wissen will, schaut sich meinen Artikel dazu an, bei dem es ebenso um einen Mythos geht. Der ist allerdings nicht Teil dieser Reihe. 🙂

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