Zuletzt aktualisiert am 29. Juli 2021

Während dem trippen auf Zauberpilzen oder LSD (und mittlerweile vielleicht sogar schon in eurer Freizeit) hört ihr nichts anderes außer Psytrance oder Hardtekk? Oder darf es eher Psychedelic Rock sein wie Pink Floyd, Jefferson Airplane oder The Doors? Egal, was ihr bevorzugt: Sehr wahrscheinlich ist es nicht die Musik, die Forscher vom Center for Psychedelic & Consciousness Research (CPCR) in einer Playlist zusammengestellt haben.

Und diese Entscheidung, weniger gängige Musik zusammenzustellen, dürfte bewusst gefallen sein, so wollen die Forscher doch die thereapeutsische Anwendung von Psilocybin untersuchen. Wir erinnern uns: Psilocybin ist der Inhaltsstoff der Magic Mushrooms, im Deutschen eher als Zauberpilze bekannt. Psilocybin wird schon länger erfolgreich (!) in der Forschung und Therapie eingesetzt. So soll es doch z.B. bei Krebspatienten Depressionen und Ängste vertreiben – und das nicht kurzfristig, sondern über Jahre.

Ein anderes Beispiel: Psilocybin soll bei der Rauchentwöhnung helfen. Die Erfolge lassen sich sehen, es sieht alles danach aus, als ob Psychedelika nach Jahrzehntelanger Prohibition (Psychedelika sind immer noch fast überall auf der Welt verboten, aber früher hatten Wissenschaftler nach dem Verbot überhaupt keine Möglichkeiten mehr damit zu forschen. Dies ändert sich nun zum Glück).

Anders als andere große klinischen Studien sind psychedelische Sitzungen äußerst persönlich und intim. Daher ist laut Bill Richards, der zusammen mit Roland Griffith, dem Ersteller der Playlist, an der John Hipkins University arbeitet, umso wichtiger, dass sich die Freiwilligen von einem mitfühlenden Personal umgeben zu sein und sich sicher und geschützt zu fühlen.

Musik hält er auch für eine sehr wichtige Möglichkeit eben so eine intime und private Therapiesitzung zu vertiefen, völlig egal ob das Ziel die Behandlung von Ängsten, Depressionen oder Traumata ist.

Doch was befindet sich nun auf dieser Playlist, die auf Spotify 54.000 Follower hat? Weder Pink Floyd taucht auf, noch Psytrance oder Techno, kein Infected Mushroom, Neelix oder Daft Punk.

Stattdessen erwartet einen… Mozart, Brahms, Vivaldi oder Bach. Manche werden ab hier schon nicht weiterlesen, doch ist der Selbstversuch eine Erfahrung wert. Eine der Gründe für diese kuriose Musikwahl ist folgende: Orchestermusik lenkt weniger ab und gibt einem Menschen weniger Raum, in normale Denkmuster zurückzufallen.

„Ausser in der Schlussphase neige ich dazu, Musik mit Worten in der Sprache des Freiwilligen zu vermeiden, um den rationalen Verstand davon abzuhalten, dem Inhalt der Worte zu folgen“, sagt er. „Die menschliche Stimme kann als Solo- oder Chorstimme sehr unterstützend sein, sogar mütterlich, aber sie wird als ‚ein weiteres Instrument des Orchesters‘ empfangen.

Neben der Songwahl, gilt eine besondere Aufmerksamkeit der Reihenfolge, in der die Lieder gelistet sind.

Musik während des Beginns einer Reise, erklärt er, müsse als „unterstützend, sich entfaltend, vorwärtsbewegend“ erlebt werden.

„Auf dem Höhepunkt einer Reise wird die Musik zu einem Spiegel transzendentaler Bewusstseinsformen, die vielleicht nicht einmal im einheitlichen Bewusstsein registriert werden, aber bei Bedarf präsent sind – wie ein Netz unter einem Trapezkünstler“, sagt Richards. In dieser Wiedergabeliste sorgt der langsame Satz von Brahms‘ Violinkonzert für dieses Gefühl der Stabilität.

Nach dem Höhepunkt, wenn sich noch kraftvolle Inhalte einstellen, spielt Richards ähnlich unterstützende Musik, wie in Richard Strauss‘ „Tod und Verklärung“.

Gegen Ende der Playlist kommen weltliche Stücke zum Einsatz, in denen dann auch gesprochen wird. Darunter finden sich bekannte Musiker wie die Beatles oder Enya.

Schließlich ertönt Louis Armstrongs wunderschöner Titel „What a wonderful World“, mit dem die Playlist ausklingt und man am Ende seiner intimen Reise angelangt ist.

Selbst wenn ihr das nun liest und mit der Musikauswahl so gar nichts anfangen könnt, würde es mich doch sehr freuen, wenn ihr dem Ganzen trotzdem einen Versuch gebt und das nächste Mal, wenn ihr vielleicht alleine oder mit engen Freunden ungestört trippt, diese Playlist anmacht. Schreibt mir eure Erfahrung gerne in die Kommentare!

Womöglich kommt ihr ja auf den ein oder anderen neuen Musikgeschmack. 😉

Die Playlist kann auf Spotify (am besten nach dem Datum sortieren. Leider sind nicht alle Lieder verfügbar), auf Youtube oder in William Richards Buch „Psychedelics and Religions“ vollständig gefunden werden.

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